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Cloud Kosten auf den Zahn fühlen: Interview mit Simon B.

Richtig, fast nichts. Schließlich soll die Migration in die Cloud nicht nur effizient sein, sondern sich langfristig auch als die kostengünstigere Alternative zum Rechenzentrum auszeichnen.

Unser Cloud und Kosten Experte Simon Baumgärtner, der in den letzten Jahren zahlreiche Kostenbetrachtungen und -Analysen in Bezug auf die Public Cloud durchgeführt hat, plaudert aus dem Nähkästchen und verrät wichtige Tipps.

Wann sollte sich Unternehmen Gedanken über Cloud Kosten machen?

Im Idealfall, der bei den meisten Unternehmen allerdings nicht eintritt, beginnt die Cloud Evaluation circa zwei Jahre vor der eigentlichen Migration. Während der Cloud Evaluation wird der IST-Zustand ausführlich dokumentiert. Das Unternehmen muss genau wissen, was haben wir an Ressourcen, Hardware, Software, Lizenzen, Prozesse, Infrastruktur und natürlich auch aktuelle und geplante IT-Kosten.

Hat diese Bestandsaufnahme stattgefunden, gehen wir über in das Cloud Assessment, sprich die Gegenüberstellung von vorhandener IT mit potenzieller IT in der Cloud. Zielsetzung ist dabei die verschiedenen Vorteile und Mehrwerte der Umgebungen zu identifizieren, um die anschließende Entscheidung für oder gegen die Cloud zu vereinfachen.Hauptbestandteil des Cloud Assessments ist zudem eine Analyse der Total Cost of Ownership. Dabei halten wir die aktuellen (oder zukünftig geplanten) IT-Kosten den potenziellen Kosten einer Cloud-Umgebung gegenüber. Der Kostenfaktor ist und bleibt einer der Hauptentscheidungsträger für Unternehmen.

Resultat des Cloud Assessments ist einfach ausgedrückt eine Entscheidungsgrundlage. Spricht diese für die Cloud gehen wir in die Planung, in die Architekturentwürfe und Umsetzung.

Zwei Jahre klingen auf den ersten Blick nach einer langen Zeit, vergehen allerdings wie im Flug. Unternehmen, die nun nicht so viel Zeit zur Verfügung haben, müssen aber eine Cloud Evaluation nicht direkt ausschließen. Hier empfiehlt es sich aber frühzeitig einen erfahrenen Partner mit an Board zu holen, der Entscheidungswege vereinfacht und den gesamten Prozess der Erfahrung wegen beschleunigen kann.

Public Cloud oder On-Premise - was empfiehlt sich kostenseitig für wen?

Was die Möglichkeiten von Cloud- und On-Premise-Umgebungen angeht lassen sich die Branche nicht in zwei Lager teilen, in denen es möglich oder unmöglich ist. Für jedes Unternehmen ist eine Migration in die Cloud möglich, sollte aber immer vorab geprüft werden.

In den meisten Fällen, die ich in den letzten drei Jahren in der Cloud Welt begleiten durfte, stelle sich die Cloud als günstigere Alternative für die IT-Umgebung heraus. Mir ist es aber persönlich auch sehr wichtig, in den restlichen Fällen, die teurere Cloud-Infrastruktur für das Unternehmen deutlich anzusprechen. IT ist immer mit Kosten verbunden und kein Unternehmen wird langfristig glücklich oder erfolgreich, wenn es sich Investitionen ans Bein bindet, die es gar nicht benötigt.

Was sollten Unternehmen bei der Kostenbetrachtung der Cloud unbedingt beachten?

Ich denke, den besten Tipp, den ich an dieser Stelle geben kann, ist ALLE Kosten zu betrachten. Ressourcen wie die vorhandene Hardware ist schnell aufgenommen, aber Faktoren wie die benötigten Räumlichkeiten, deren Stromversorgung oder Kühlung dürfen dabei nicht unberücksichtigt werden. Weitere Beispiele sind Lizenzen und Mitarbeiter - und diese dabei nicht nur als Ressource, sondern auch deren Wissensstand und Weiterbildungsbedarf.

Ein zweiter wichtiger Punkt bei der Kostenbetrachtung ist der Umfang. Wer nur auf die Migration selbst und deren Kosten achtet, kalkuliert langfristig falsch. Es ist wichtig immer alle “Lebensphasen” einer Cloud-Umgebung mit einzubeziehen. Dazu gehört neben der Migration, auch der anschließende laufende Betrieb. Soll dieser intern von eigenen Mitarbeitern gestemmt werden oder nach extern zu einem Partner verlagert werden? Wenn es die eigenen Ressourcen betrifft, welche Weiterbildungen und zusätzlichen Stellen sind notwendig, damit der Betrieb reibungslos funktioniert?

Die Antwort wird jetzt natürlich von mir erwartet [lacht], aber ich empfehle es immer wieder, sich so früh wie möglich einen erfahrenen Partner an die Seite zu holen. Dieser hat bestenfalls schon dutzende Kostenbetrachtungen durchgeführt und weiß ganz genau, auf welche Punkte er mit welcher Priorität achten muss.

Welche Analysemethode kannst Du für die Kostenbetrachtung empfehlen?

Zu Beginn empfehle ich immer ein “Cloud-Readiness-Assessment”, also einen unternehmensübergreifenden Reifegrad-Check in Bezug auf die Public Cloud. Hier wird genau festgehalten auf welchem Stand welche Bereiche sind und welche Baustellen mit kurzfristigem Handlungsbedarf vorhanden sind.

Bei der Aufnahme dieses IST-Zustandes können verschiedene Tools wie CloudamizeExternal Link oder der AWS Migration EvaluatorExternal Link eingesetzt werden. Das ist besonders wichtig um eine belastbare IST-Übersicht zu bekommen. In dieser Phase wird auch besonders auf die Auslastung der Systeme und das Rightsizing der Umgebung geachtet, denn hier sind oftmals Einsparpotenziale in On-Premise Umgebungen versteckt.

Ein Tipp an dieser Stelle ist bei der Betrachtung der Kostenmodelle auch die Möglichkeiten zu evaluieren, ob verschiedene Instanzen über einen längeren Zeitraum gebucht werden können. Längere Laufzeiten bedeuten in diesem Zusammenhang bis zu 3 Jahre. Hier liegen ca. 40% der Einsparpotenziale vor allem im Compute Bereich.

Bei der Analyse der Ergebnisse ist es dabei besonders wichtig, diese so aufzubereiten, dass alle im Unternehmen abgeholt werden können und das Management auf Basis dieser Daten die Cloud-Strategie genehmigen oder absagen kann.

Was ist Dein Experten-Tipp in Sachen Cloud Kosten für Unternehmen?

Ich habe sogar zwei Experten-Tipps. Der erste ist, sich nicht auf Online-Calculatoren zu verlassen, die man mit einem Bruchteil der relevanten Daten füttert. Diese Ergebnisse sind nicht belastbar und führen langfristig zu kostspieligen unternehmerischen Entscheidungen.

Mein zweiter Tipp ist, wie vorhin schon angeteasert, sich immer einen Experten mit an Board zu holen, der zum einen die Expertise bei Cloud-Kostenbetrachtungen hat und zum anderen auch den Zugang zum ausgewählten Hersteller. Wir arbeiten beispielsweise seit Jahren mit Amazon Web Services zusammen, was es uns ermöglicht, für jeden Kunden ein individuelles Funding zu beantragen. Dieses reicht in vielen Fällen für eine vier- bis fünfstellige Finanzspritze.

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